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Martin
Ziemer musste schon den einen oder anderen Spitznamen über sich
ergehen lassen. „Picki“, weil er aus Rostock stammt und der
damalige Fußballbundesligist Hansa Rostock Martin Pieckenhagen im
Tor stehen hatte. „Calli“, weil sein damaliger Trainer beim SC
Magdeburg ihn nach einer Verletzungspause und ein paar Pfunden
mehr auf den Rippen nach Rainer Calmund benannte. Die Pfunde sind
verschwunden – ist es nun auch an der Zeit für einen neuen
Spitznamen?
Harte
Arbeit und großes Engagement
Den
bekam er prompt in seinem zweiten Heimspiel für den HBW
Balingen-Weilstetten in der „Hölle Süd“ verpasst: Bei der
Live-Übertragung auf sport1.de brachte es Kommentator Peter Kohl
nach spektakulären, schier unglaublichen Paraden gegen die
Weltstars des THW Kiel immer wieder auf den Punkt – Martin
Ziemer, der „Hexer“. Das riecht nach dunklem Zauber. Wer den
seit der Rückrunde für den HBW im Tor stehende aber etwas näher
kennt, weiß, dass Magie keine Rolle spielt. Vielmehr ist es der
Lohn harter Arbeit, großem Engagement und einer stets akribischen
Vorbereitung.
Auf
dem Feld ist es ihm ganz egal, von wem der Ball geworfen wird. Er
möchte ihn halten. Das zeigt er in jeder Aktion. Der Zuschauer spürt
eine regelrechte Anspannung, wenn der „Hexer“ einen Ball
erwartet. Die Energie ist geradezu spürbar, wenn er mit den Füßen
tippelt und dann blitzschnell nach dem Ball geht. Hat er einen
Torwurf der Gegner erfolgreich verhindern können, lässt er
seinen Emotionen freien Lauf, überträgt diese und seine
Leidenschaft auf das gesamte Publikum.
Echter
Profisportler
Das
Sport- und Philosophiestudium hat er abgebrochen um sich voll und
ganz dem Handball zu widmen. Zusätzlich zum normalen
Training gab es einen speziellen Torwarttrainer aus dem Kreis
Minden-Lübbecke, der seinen Entwicklungsprozess auf Top-Niveau
beschleunigte. Mit Martin Kussmann arbeitet er seit über 3 Jahren
erfolgreich zusammen. Er kennt alle Facetten des TW-Spiels und
spricht die Sprache der Torhüter. Außerdem coacht ihn noch ein
Mental-Trainer aus Bielefeld. Ein echter Profisportler also. Eines
will Ziemer dabei aber nicht vergessen, er schätzt neben Profittum
und Kommerz noch immer die verbindenden Aspekte des Sports.
Menschen finden zueinander, es entsteht Zusammenhalt und eine
familiäre Atmosphäre.
Kein
Wunder, dass ihm der Abschied nach fast fünf Jahren in Hamm nicht
einfach fiel und sehr emotional war. Nun heißt es aber, sich
weiter zu entwickeln und den Blick nach vorne zu richten, um für
die harte Arbeit mit Erfolgen belohnt zu werden. Das durfte Ziemer
mit Magdeburg beim Gewinn der deutschen Juniorenmeisterschaft
schon zweimal erleben. Nun sollen Erfolge im HBW-Dress
folgen.
Persönliche
Anerkennung
Eine
ganz persönliche Anerkennung konnte er nach den wenigen Spielen
in Balingen schon verbuchen: Vor kurzem nominierte Bundestrainer
Heiner Brand den 27-Jährigen für seinen vorläufigen 28er-Kader.
Ganz bodenständig erklärt Ziemer aber, dass Johannes Bitter ja
nur eine Pause mache. Deshalb wolle er seinen Weg weiter gehen und
stets versuchen, seine Leistung zu bringen. Vielleicht ist die
Nominierung dennoch ein Anzeichen dafür, dass er einmal in die Fußstapfen
des legendären Torhüters Andreas Thiel treten könnte. Dieser
war ebenfalls unter dem Spitznamen „Hexer“ bekannt und
bestritt für die deutsche Handballnationalmannschaft 256
Spiele.
Ob
Martin Ziemer wirklich den Weg als feste Größe in die
Nationalmannschaft finden wird bleibt offen. Für den HBW aber ist
er mehr als nur eine kurzfristige Verpflichtung als Notlösung.
Bei den Fans ist er schon nach den ersten zwei Heimspielen
beliebt. Er ist einer, der das Feuer in der „Hölle Süd“ noch mal
so richtig einheizen kann. Das tut dem HBW ausgesprochen gut. Denn
wenn den „Galliern von der Alb“ schon kein Druide zur Verfügung
steht, ist wenigstens ein „Hexer“ im Team vorhanden.
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