|
Kommunikation
ist wichtig
Er
spricht ihre Sprache und kennt alle Facetten des Torwart-Spiels:
Martin Kussmann betreut mehrere Torhüter aus der
Handball-Bundesliga. In einem exklusiven Interview mit
HW-Mitarbeiter Mathias Deppisch erklärt der 49-jährige, wie er
zum Privatcoach für ambitionierte Torhüter wurde.
Herr
Kussmann, welchem Verein drücken Sie normalerweise die Daumen?
Kussmann:
Ich komme aus der Handballhochburg Minden-Lübbecke und stehe von
daher GWD Minden, dem TuS N-Lübbecke und LIT Nordhemmern schon
sehr nah. Aber wichtig für mich ist, dass meine Torhüter mich an
einem Sonntagabend anrufen und mir erzählen, dass sie gut
gehalten haben.
Was
sind das für Torhüter?
Kussmann:
Ich bin bei keinem Verein angestellt, sondern trainiere auf
privater Basis Torhüter aus der 1., 2. und 3. Liga. Hinzu kommen
noch einige talentierte Jugendtorwarte aus dem Kreis Minden-Lübbecke.
Das ganze erfolgt natürlich nur nach Absprache mit den
Verantwortlichen der jeweiligen Vereine.
Einem
Ihrer Klienten wurde jüngst eine besondere Ehre zuteil: Martin
Ziemer von der HBW Balingen-Weilstetten hat es erstmals ins
erweiterte Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft
geschafft.
Kussmann:
Ich freue mich sehr, dass Martin Ziemer berufen wurde. Mit ihm
verbinden mich eine mehrjährige Zusammenarbeit und ein sehr
intensives Verhältnis. Das ist eine tolle Sache für ihn, aber
sicher auch das Produkt harter Arbeit, die Martin in seinen Sport
investiert. Als „Ziemi“ noch bei der HSG Ahlen-Hamm gespielt
hat, ist er 130 Kilometer gefahren, um bei mir Zusatzeinheiten zu
absolvieren.
Auch
Nils Dresrüsse, aktueller Junioren-Nationaltorwart, trainiert bei
Ihnen. Ihn zieht es von GWD Minden zum TBV Lemgo. Wie sehen Sie
seine Entwicklung?
„Nils
Dresrüsse ist einer der talentiertesten Torwarte in
Deutschland“
Kussmann:
Nils halte ich für einen der talentiertesten Torwarte in
Deutschland, er wird seinen Weg machen. Ich spreche sehr viel mit
ihm, wobei Kommunikation generell ein wichtiger Aspekt bei meiner
Arbeit ist. Auf Nachfrage bin ich gerne bereit, Entwicklungsmöglichkeiten
und Perspektiven einzelner Torwarte aufzuzeigen. Aber was
Vereinswechsel betrifft, halte ich mich eher raus. Das ist Sache
der Spieler und deren Berater.
Dario
Quenstedt vom SC Magdeburg und Konstantin Madert von GWD Minden
sind junge Torhüter, die ihr Können eindrucksvoll in der 1. und
3. Liga unter Beweise gestellt haben. Wie sehen sie Ihren
Perspektiven?
Kussmann:
Ich arbeite seit etwa einem Jahr mit den beiden zusammen. Beide
haben eine fundierte Grundausbildung in ihren Vereinen genossen
und trainieren bei mir zielstrebig auf hohem Niveau. Bei so jungen
Sportlern lege ich besonderen Wert auf deren mentale Stärke. Die
erbrachten Leistungen im Wettkampf sprechen für sich, so dass
beide auch im Fokus anderer Vereine stehen.
Was
ist das Besonders bei Ihrem Training?
Kussmann:
Wichtig für die Keeper ist es, dass sie Trainingserfolge auch mit
in den Wettkampf nehmen können. Ich liefere den roten Faden, der
es den Torhütern ermöglicht, sich selbst zu überprüfen und zu
kontrollieren. Das klappt bei den meisten sehr gut.
Und
was machen Sie inhaltlich anders als andere Torwarttrainer?
Kussmann:
Das weiß ich so genau nicht, da ich über die Abreit von anderen
zu wenig weiß. Ich versuche ein vielseitiges und gut
strukturiertes Training anzubieten. Den Großteil meiner Übungen
habe ich selbst kreiert. Am Anfang können die meisten Torhüter
meine Übungen kaum umsetzen, aber das wird mit der Zeit besser.
Mit klaren Kommandos lege ich während aller Übungen den
Schwerpunkt auf eine saubere, zweckmäßige und zeitgemäße
Technik als Grundlage des Torwartspiels. Darüber hinaus biete ich
den Torwarten neben Life-Kinetik ein selbst erarbeitetes
Konzentrationstraining.
Wie
ist es überhaupt dazu gekommen, dass Sie sich auf Torhüter
spezialisiert haben?
Kussmann:
Bis 2003 war ich als Mannschaftstrainer in der Verbandsliga beschäftigt.
Danach kam mir die Idee, nur noch Torhüter zu trainieren. Zunächst
habe ich von der 1. Liga bis zur Kreisklasse viele Gespräche mit
Torhütern geführt. Die einhellige Meinung war, dass sie sich im
normalen Mannschaftstraining nicht genügend gefördert fühlten.
Diesem Umstand wollte ich entgegentreten und habe meine Dienste
angeboten. Anfangs musste ich viel Überzeugungsarbeit leisten.
Wenn Torhüter Interesse signalisiert haben, waren deren Trainer
anfangs nicht so begeistert, da sie das Erfordernis eines
Individualtrainings nicht wahrgenommen haben.
Ist
das immer noch so?
Kussmann:
Nein, denn im Endeffekt profitieren ja alle Beteiligten. Und ich
muss mit meinem Angebot auch nicht mehr hausieren gehen.
Mittlerweile bekomme ich viele Anrufe von Torhütern, die bei mir
trainieren wollen oder Trainern, die Hilfestellungen beim Umgang
mit ihren Keepern möchten. Aber neben meinem Beruf als
Polizeibeamter kann ich nur eine begrenzte Anzahl parallel
coachen, sonst kann ich meinem Anspruch auf individuelle Betreuung
nicht nachkommen.
Waren
Sie selbst eigentlich auch mal Torwart?
Kussmann:
Klar, ich stehe seit meinem 6. Lebensjahr in der Hütte, bin auch
noch Linkshänder (!) und habe alle Höhen und Tiefen in einem
Torwartleben miterlebt. Ich habe lange bei GWD Minden das Tor gehütet.
Aber in die erste Liga habe ich es nie geschafft. Wer weiß:
Vielleicht hätte das mit einem guten Torwarttrainer ja
geklappt…
-------
Zu
Kussmanns ehemaligen und aktuellen Klienten gehören:
Martin
Ziemer (HBW Balingen-Weilstetten), Tomáš Mrkva (HSG Ahlen-Hamm),
Dario Quentstedt (SC Magdeburg), Nils Dresrüsse, Konstantin
Madert (beide GWD Minden), Oliver Mayer (TV Korschenbroich), Björn
Buhrmester (HSG Nordhorn-Lingen), Björn Gerling und Kai Bierbaum
(LIT Nordhemmern)
Stimmen:
Martin
Ziemer (HBW Balingen-Weilstetten):
„‚Kussi‘
ist der erste Torwarttrainer, mit dem ich systematisch arbeite.
Sein Training verbindet alle Elemente, die ich für den Wettkampf
brauche: Kraft, Technik, Taktik und Konzentration. Ob Training
oder Wettkampf – ich vergegenwärtige mir seine Tipps ständig.“
Kay
Rothenpieler (Trainer HSG Ahlen- Hamm):
„Ich
hatte überhaupt kein Problem damit, dass Martin Ziemer noch
woanders trainiert hat. Im Gegenteil: Wenn einzelne Spieler besser
werden, profitieren wir als Mannschaft davon. Zu Martin Ziemers
sehr guten Entwicklung hat Martin Kussmann einiges beigetragen. Im
normalen Mannschaftstraining kommen die Torhüter in der Tat oft
zu kurz. Wenn man selbst nie im Tor stand, ist es schwierig, auf
Topniveau Torhütern etwas beizubringen. Man hat zwar vielleicht
das theoretische Wissen, mehr aber auch nicht.“
Oliver
Mayer (TV Korschenbroich)
„Bei
uns im Verein gibt es keinen separaten Torwart-Trainer. Das ist
sicher auch eine Frage des Budgets. An freien Tagen fahre ich nach
Minden und trainiere mit Kussi. Er achtet auf Kleinigkeiten und
korrigiert selbst den kleinsten Fehler im Bewegungsablauf. Viele
der Torwarttrainer, die ich bislang hatte, haben dafür überhaupt
kein Auge. Ich lerne wirklich bei jeder Einheit etwas.“
©Handball-Woche |